„Kann man im Internet echte Freunde finden?“ – Vom im Café sitzen und Distanzen überwinden [jawollLife]

Als ich 2006 oder 2007 StudiVz und Facebook für mich entdeckte, nahm das ganze „Übel“ seinen Lauf. Ich musste erstmal klar kommen und gerade StudiVz nahm mich innerhalb kürzester Zeit vollständig ein. Ich tat also dasselbe, was viele taten, ich verkleinerte die Dimensionen des weltweiten Netzes, in dem ich in Gruppen aktiv wurde. Dass sich diese Zeiten nun gerade mit meiner längsten Singlezeit (ca. 3 Jahre) deckten, mag Zufall oder Produkt desselben sein, so richtig kann man das heute nicht mehr sagen.

Ich weiß aber noch, dass es zu dieser Zeit recht aufsehenerregend für meine Umwelt war, dass ich mich womöglich mit Menschen, ja, in erster Linie mit Männern aus dem Internet traf. War ja alles Neuland. „Und wenn das nun ein Massenmörder oder Vergewaltiger ist?“ „Deswegen trifft man sich ja erstmal in der Öffentlichkeit und dann schaut man weiter.“ Ich hatte leider viele Dates mit Typen, die ich im Internet kennen gelernt hatte, aber so richtig war da nie der Kracher dabei. Zum Glück auch nix Schlimmes wie die oben genannte Vermutung.

Männergeschichten sollen heute aber nicht das Thema sein, sondern vielmehr Freundschaftsgeschichten. Denn oft sitze ich bei Freunden zum Geburtstag und werde gefragt: „Und, woher kennt ihr euch?“ Pause. „Aus dem Internet.“ „Aha.“ Die Frage in den Augen des Gesprächspartners ist klar zu lesen. „Kann man denn echte Freunde im Internet finden?“

Meine Antwort und meine Theorie dazu sind folgende: Ja, kann man, denn das Internet ist nichts anderes als eine große Uniparty, ein großer Sportverein, eine sehr große Menschenansammlung. Man trifft in diesem Internet Menschen aus den unterschiedlichen Gründen, aber am ehesten eben auf Plattformen oder in Foren oder mittelerweile auch den Sozialen Medien. Man tauscht Meinungen, Gedanken, (Katzen)Bilder oder Videos aus und irgendwann kristallisieren sich die Menschen heraus, mit denen man am liebsten Gedanken und Bilder austauscht. Ich sehe es so, dass man erst einmal eine Menge Menschen mit den gleichen Interessen kennen lernt (Sportverein, Krabbelgruppe, Uniparty) und dann findet man die, mit denen man hinterher noch am Auto steht und nochmal ne Stunde quatscht.

Meine echten und guten Freunde kann ich an zwei Händen abzählen. Das mag manchen schon viel erscheinen, aber man führt ja nicht mit jedem die gleiche Art Freundschaft und trotzdem ist jeder von ihnen ein echt guter Freund oder eine gute Freundin. Und – ja, ich sage es laut und deutlich – die Hälfte von ihnen habe ich im Internet kennen gelernt.

Und so wie es Liebesgeschichten gibt, gibt es auch Freundschaftsgeschichten. Von dreien möchte ich euch heute erzählen.

 

Meine Freundinnen Martina und Anne kenne ich nun seit acht Jahren. Das Soziale Netzwerk StudiVz hat uns zusammen gebracht. Um genau zu sein, eine Singlegruppe. Jaja, man versucht eben doch fast alles, wenn man auf der Suche ist. Man traf sich damals wie heute zum Essen gehen, Brunch, Kino und Tanzen. Neben all der Fleischbeschau, die so ein Single-Treffen mit sich bringt, findet man auch unter den Frauen diejenigen, die man weder als Konkurrenz noch als übertrieben anbiedernd empfindet. So ging es mir mit Anne und Martina. Zusammen mit ein paar anderen Leuten haben wir uns irgendwann nur noch in der kleinen Gruppe getroffen. Und auch diese Gruppe hat sich mit der Zeit verkleinert bis nur noch wir drei übrig blieben. Mit den beiden habe ich von Anfang an so viel gelacht, meistens bis mir die Tränen kamen. Die meisten unserer Treffen drehen sich ums Essen. Brunch, Grillen, Frühstück daheim. Dabei werden die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht. Wir haben aber auch schon wirklich großartige, erinnerungswürdige Sachen erlebt: gemeinsame Reisen nach Hamburg, München und New York, House Sitting inklusive Grill zum Frühstück anschmeißen, marathonartige Kinoabende. Wir haben gemeinsam Verluste erlitten und Festtage gefeiert. Und obwohl wir es in den letzten Jahren nicht mehr häufiger als alle 1-2 Monate schaffen, uns zu treffen, möchte ich die beiden auf keinen Fall missen. Für was so Singlegruppen alles gut sind 😉

302303_234356653285006_1578768966_n

 

2010 habe ich diesen Blog gegründet und damals habe ich mit Motivtorten begonnen und war im selben Jahr das erste Mal und ganz alleine auf der Tortenshow in Hamburg. Ihr müsst wissen, dass man als Blogger damals noch eine Rarität war, zumindest in der Kuchenbranche. Ich kannte ein paar Blogs, war im Torten Talk (einem Forum) unterwegs und machte ansonsten so mein Ding. Ich stöberte also die Shops der Verkaufsstände auf der Tortenshow durch, als mich eine Frau ansprach: „Hi, du bist doch die von diesem Blog?“ Äh ja, ich war so glücklich, jemand las meinen Blog und erkannte mich auch noch im Real Life 😀 Und das war Sarah.

Mit Sarah verbindet mich so viel. Wir haben neben der Liebe zu Kuchen und Backen auch einen ähnlichen Musikgeschmack und sind uns Stütze und Rat in so manchen Muddiangelegenheiten. Seit wir uns kennen, hat es sich eingebürgert, dass wir uns 1 Mal im Jahr sehen. Denn das nicht so Schöne an dieser Freundschaft sind 850 Kilometer, die uns trennen. So manches Mal denke ich: „Ach wär das schön, wenn Sarah jetzt hier wäre.“ Bevor wir beide Kinder bekamen, haben wir uns entweder in Hamburg bei der Tortenshow oder in Berlin zum Shoppen und zum Sightseeing oder zum Konzert getroffen. Auf dem Weg zum Konzert habe ich damals 2012 meinen Flug verpasst, musste einen Zug nachbuchen und habe in der Nacht nach dem Konzert noch einen Virus abgekriegt. Soooo schöne Erinnerungen 🙂

In den Jahren, als wir schwanger waren, war das alles nicht mehr so einfach. Zum Glück haben der Mann und ich unsere Liebe zu Rügen entdeckt. Und zum Glück liegt Sarahs Wohnort direkt auf dem Weg dahin. So haben wir es bisher jedes Jahr geschafft, uns zu sehen, zumindest für 2-3 Tage. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um Kuchen oder Bloggen, sondern um so vieles anderes. Und ich freu mich schon , wenn wir es dieses Jahr hoffentlich wieder schaffen. Denn so eine Whattsapp hält einen zwar auf dem Laufenden, aber ersetzt das Umarmen, Quatschen und zusammen Lachen doch nur schwer.

 

Kommen wir nun zu meinen Karlsruhern. Miri und Michael kennt ihr ja als fleißige Leser und Follower meiner Social Media Kanäle, weil die beiden regelmäßig auftauchen. Und auch Frau Piepenkötter alias Vanessa (oben im Bild) kennt der eine oder andere sicherlich. Miri lernte ich beim Shoot the Food Workshop in Karlsruhe kennen. Ich weiß noch, dass wir ein paar Monate danach im Wohntimmer der beiden saßen und ich zu meinem Mann sagte: „Red nicht so, das sind neue Freunde!“ Und plötzlich waren nicht mehr nur Blogger, sondern Freunde.

miriwird30_009(1)

Wenn wir nicht gerade auf eine Veranstaltung gehen (blogbezogen oder nicht), laden wir uns gegenseitig zum Essen ein oder fahren irgendwo gemeinsam hin und sitzen dort dann im Café oder an der Hotelbar. Und was mich nach all den Jahren erstaunt, ist die Tatsache, dass uns nie der Gesprächsstoff ausgeht, stundenlanges Quatschen ist selbstverständlich.Auch selbstverständlich ist, dass wir uns gegenseitig unter die Arme greifen. Denn wir wohnen nah genug aneinander, dass Hilfe im Alltäglichen möglich ist. Ohne die beiden wäre unser großer Sohn nicht am Abend des Umzugs in sein wunderschön eingerichtetes und unfallsicheres Kinderzimmer gekommen. Ihr seid Maschinen, das wisst ihr, oder? Natürlich geben wir das alles zurück, wenn es soweit ist.

Es ist Liebe, ganz klar. Nicht nur weil die beiden mir und meinem Mann in vielen Eigenheiten sehr ähnlich sind, sondern wir auch ähnliche Ansichten haben. So finde ich in Miri immer eine Zuhörerin in Sachen Übergriffigkeit und Misstönen, denen wir im Netz begegnen. Es schadet natürlich auch nicht, dass die beiden unsere Kinder abgöttisch lieben und es für die beiden selbstverständlich ist, dass unsere Jungs bei jedem Treffen dabei sind. Wenn der Große Michael sieht, gibt es kein Halten mehr und manchmal hört man Miri dann rufen „Nicht so wild, Michael!“ Ich bin sehr dankbar, dass es die beiden gibt und kann mir mein Leben ohne nicht mehr vorstellen.

Ihr seht also, ich beantworte die oben genannte Frage eindeutig mit Ja und freue mich immer wieder, dass das Internet mir so viele wunderbare Menschen ins Leben gespült hat.

 

Ein Gedanke zu “„Kann man im Internet echte Freunde finden?“ – Vom im Café sitzen und Distanzen überwinden [jawollLife]

  1. Pingback: life on fernlane - random recap (1) - Das war in letzter Zeit los. - life on fernlane

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s